Pflichtlektüre

By raij

Tobold beweist mal wieder, warum sein Blog Pflichtlektüre sein sollte. Was für ein fantastischer Artikel.

Ich hatte vor ein paar Tagen eine Diskussion über die Funktionsweise von „Wert“ in einer Marktwirtschaft. Auf der einen Seite muss man natürlich zugeben, dass Nutzen, Qualität etc einen (indirekten) Einfluss auf den Wert eines Guts haben, da sie ja die Nachfrage beeinflussen. Aber die direkten Einflussfaktoren sind und bleiben Angebot und Nachfrage (eine hinreichend liberale Marktwirtschaft vorausgesetzt).

Auf der anderen Seite ist es eine interessante Frage, woher bei Gütern wie Gold denn die Nachfrage überhaupt kommt (die Angebotsseite ist relativ eindeutig, aber ohne Nachfrage wäre es eben auch wertlos). Neben dem auch relativ handfesten Bedarf als Rohstoff für verschiedenste Dinge (bis hin zu Eheringen) ist ein Großteil der Nachfrage kulturell verselbstständigte Wertschätzung: Wenn ein Gut eine solch lange Zeit eine konstante Nachfrage erfahren hat, wird es zu einem interessanten Investment. Damit bauen diejenigen, die es kaufen, darauf, dass sich die allgemeine Haltung zu dem Gut nicht ändert. Und je mehr Leute dies wiederum tun, umso stärker festigt sich die allgemeine Sichtweise, dass es eine sichere Investition ist. Das so etwas nicht immer funktioniert, hat man am amerikanischen Immobilienmarkt gesehen.

Und es ist auch klar, warum es so etwas wie Investments in MMOs nicht geben kann: Zwar ist die Inflation relativ hoch, was Investitionen generell lukrativ macht, auf der anderen Seite gibt es einfach nichts von beständigem Wert: Ausrüstung wird ständig durch neue Gegenstände entwertet, Rohstoffe werden zudem noch durch kleinste Spieländerungen in ihrer Nachfrage durcheindergewürfelt. Natürlich konnten clevere Spieler, die vor Patch 3.0.2 Kräuter gekauft hatten, einen guten Gewinn abgreifen, aber dies lässt sich nicht so einfach wiederholen. Langfristig investieren ist in WoW und ähnlichen Wirtschaftssystemen nahezu unmöglich.

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